Geboren bin ich in Genua, der Hafenstadt in Ligurien, eingebettet zwischen Bergen und dem Meer, zwischen der berühmten Toscana und der weiten wilden Provence. Mein Lebensweg als Restauratorin ist verbunden mit den Städten Rom und Lausanne, Bern und Basel, Freiburg, Neuschatel und Genf, München und Chiemsee, Hohenschwangau, Freising, Frankfurt, Görlitz, Naumburg und seit 1993 in Thüringen: Gotha, Eisenach, Weimar, Erfurt.
Seit 20 Jahren bin ich als Restauratorin für Wandmalerei und Leinwandgemälde tätig. Heute lebe ich in Erfurt, wo ich seit elf Jahren einen Künstler- und Restauratorenbedarf – einen etwas anderen Farbenladen – betreibe.
Genua und Erfurt – zwei alte Städte, die nicht nur die Händlertradition verbindet, sondern auch die Farbe BLAU, gewonnen aus der Waidpflanze (Isatis Tinctoria). Seit einigen Jahren begleite ich meine italienischen Landsleute in Erfurt als Stadtführerin und erkunde die Geschichte der Stadt sowie deren Bedeutung im Zusammenhang mit der Waidpflanze, die vor allem im Mittelalter ihre Hoch-Zeit hatte.
Seit mehreren Jahren arbeite ich außerdem als freie Dozentin für Geschichte der Maltechnologie und Farblehre im Europäischen Fortbildungszentrum für Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Wunsiedel und zeitweise auch an anderen Schulen.
Ich arbeite als Dozentin an der Volkshochschule Erfurt (im Bereich der Seniorenakademie). Folgende Vorträge biete ich in diesem Rahmen an:
1. Waid und Geschichte des Textilgestaltung
2. Martin Luther und Lucas Cranach eine iconographische Lesung im Wandel der Reformation
3. Farben: Geschichte des Maltechnologie
4. Die stille Kunst der Restaurierung
5. Fresko-Malerei: die Geschichte einer sehr aten Kunst
Termine können im vhs-Kursprogramm eingesehen werden: die vhs der Stadt Erfurt
…ja, ich habe diesen kleinen Laden immer als mein Wohnzimmer empfunden und ich habe mich über jeden Gast gefreut… naja, über fast jeden.
Herzlich willkommen… noch einmal, gerne noch einmal und traurig noch einmal, denn es wird bald das letzte Mal sein, dass ich die Tür zum „Erfurter Blau“ öffnen kann.
Wie gerne würde ich es noch viele Tage länger getan haben.
Doch manchmal trifft man nicht selbst die Entscheidungen, manchmal ist die Weiche von einem Tag auf den anderen umgestellt worden.
Vom Leben. Unerbittlich.
Als Restauratorin waren die Farben immer meine Welt… keine aber war wie das Waidblau, das „Erfurter Blau“.
Für mich das wärmste Blau der Farben-Welt.
Dieser Laden war mein Wohnzimmer und der Weg zum „Erfurter Blau“ war viele Jahre mein Weg, ein anspruchsvoller, schwieriger, manchmal verrückter, aber doch wunderschöner, sehr spezieller Weg, auf dem ich vielen Besuchern, Touristen und Neugierigen begegnet bin.
Selbst immer eine Neugierige auf das Leben, auf die Wege, die nicht vorgegeben sind, die man sich suchen muss und die man nach und nach entdecken darf, bin ich dankbar für diesen Weg, der, so hat es nun das Leben entschieden, aller Wahrscheinlichkeit nach in wenigen Wochen enden wird.
Darüber bin ich sehr traurig.
Wie gern hätte ich den Stab weitergegeben, damit ein anderer Neugieriger meine Leidenschaft fortsetzt und weiterführt…
Seit vor fast 18 Monaten das Leben entschied, haben wir es immerhin gemeinsam geschafft, die Besucher, Touristen und Neugierigen die ganz besondere Atmosphäre dieses Ladens weiter atmen zu lassen.
Ohne die wunderbare Frau, die Sie heute am Ladentisch begrüßt, wäre dies nicht möglich gewesen. Dafür bin ich sehr dankbar.
Viele der Dinge, die Sie in den Auslagen und Regalen noch vorfinden, sind durch Hände gegangen, die dem schönen Wort Handwerk seinen Sinn geben.
Nicht wenige dieser handwerklichen Kleinbetriebe und Manufakturen in Deutschland, Italien und Frankreich sind in den vergangenen Jahren verschwunden, mussten aufgeben.
Deshalb wird es die meisten dieser Dinge, die Sie heute noch in meinem Laden vorfinden, in Zukunft wohl nicht mehr geben.
Damit gehen sehr viel Wissen und Können, Erfahrung und einfach auch Schönes verloren.
Aus diesem Grund, so ist es meine Überzeugung, ist ihr Wert nicht geringer, im Gegenteil, diese Dinge sind aus diesem Grund besonders.
Bei aller Traurigkeit bin ich dankbar dafür, dass ich nicht wenigen Besuchern, Touristen und Neugierigen mit diesen besonderen Dingen im eigentlichen Sinne nachhaltige, nämlich langwährende Freude bereiten konnte.
Und darüber hinaus diesem besonderen Ort Krämerbrücke einen seiner wesentlichen historischen Zutaten schenken konnte, auch, wenn der Samen der Waidpflanze, der ganz erheblich zum Reichtum der Stadt Erfurt beigetragen hat, wohl im nächsten Sommer nicht wieder goldgelb an dieser Stelle blühen wird…?
Ich bedanke mich bei allen Besuchern, Touristen und Neugierigen, denen die „Dinge der Hände“ in meinem Laden eine langanhaltende schöne Erinnerung, die sie sich mitnehmen möchten, wert sind.
Rosanna Minelli, Begründerin und Inhaberin von „Erfurter Blau“
Seit vielen Jahren engagiere ich mich für das Blaufärben mit Waid, jener Färbetechnik, die für Erfurt in den vergangenen Jahrhunderten so bedeutsam gewesen ist. Ich kreiere Produkte und verkaufe sie in meinem Laden auf der Krämerbrücke, gewinne Farbpigmente aus in der Region angebautem Waid, halte Vorträge, vermittle mein Wissen rund um das Thema Waid in Workshops und Vorträgen.
Ich bin Einzelkämpferin. Und da jede Lebenszeit, in der man beruflich tätig ist, endlich ist, möchte ich das von mir Aufgebaute perspektivisch gern in andere Hände legen; wohlwissend, dass die Tradition von Erfurter Blau erhalten bleibt und vielleicht mit neuen Ideen erweitert wird. Kurzum, ich suche in den nächsten Jahren einen Nacholger/eine Nachfolgerin, der/die bereit ist, mit mir ein Stück Weges zu gehen, sich einzuareiten, zu lernen, zu gestalten, Veranwortung zu übernehmen.
Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich gern bei mir. Ich freue mich, von Ihnen zu hören.
Rosanna Minelli